König, Grafen, Stadtrechte

Vor ca. 350 Mio Jahren war unser Raum bedeckt vom devonischen Meer. Durch Bewegungen der Kontinente auf dem plastischen Kern der Erde kam es anschließend zu einem Faltungs- und damit auch Hebungszyklus, in dessen Verlauf u.a. auch das Rheinische Schiefergebirge entstand.  Flüsse konnten ihren Lauf nur beibehalten, wenn sie sich genausoschnell in ihren Untergrund einschnitten, wie dieser sich hob. Dies gelang, weil Bäche und Flüsse stets zuerst das am wenigsten widerstandsfähige Gestein erodierten und so entstanden Windungen (oder Mäander) in großer Zahl. So floß die Mosel zunächst als Mäander von Brauneberg über Burgen, Veldenz, Mülheim, Maring und Siebenborn nach  Andel in das heutige Flußbett.
 
Der Fluß erodierte solange an dem Pralhang im winkel des durchgehenden Höhenzuges/Geisberg bis vor ca. 300.000 Jahren der Durchbruch bei Mülheim geschafft war. Es entstand eine zwischen Trier und Koblenz einmalige topographische Situation. Der Mensch konnte bei fast gleichbleibenden Gefälle, dem Lauf des Flüßchens Lieser folgend von dem wahrscheinlich schon in der Steinzeit bekannten Eifelhöhenweg an die Mosel gelangen, im Tal siedeln, wennn er wollte, oder über eine noch heute bekannte Furt die Mosel queren, dem trockengefallenen Mäader folgend den Hinterbach erreichen, um entlang dieses Gewässers bei gleichbleibender Steigung die Hunsrückhöhen zu erreichen.(natürlich gilt dies auch für die umgekehrte Wanderrichtung.) Dies machte unser "Ländchen" sicher schon lange vor den Kelten und Römern zu einem besonderen Fleckchen Erde. In Bernkastel-Kues entdeckte man vor Jahren eine umfangreiche, steinzeitliche Siedlung  der sog. Bandkeramikerkultur. Diese Menschenverzierten ihre Tonwaren mit ganz bestimmten bandartigen Mustern und weil diese Art Tongefäße zu schmücken weit verbreitet war, wurde eine ganze Kulturepoche hiernach genannt. Kulturpflanzen der Steinzeit waren Emmer, Einkorn, Dinkel (alle drei Spelzweizenarten), Gerste, Erbse, Saubohne, Linse, Haselnuß, Holunder, Mohn, Leinsamen, Rübe, Lauch, Apfel und mehr. Durch Pollen, Samen und andere Pflanzenreste, die bei jAusgrabungen gefunden wurden, konnten ertspr., Nachweise in großer Zahl erbracht werden. Eine kleine Sammlung steinzeitlicher Nahrungsgrundlagen und Werkzeuge (die Steinwerkzeuge sind eine Leihgabe von Förster Naumann aus Springiersbach) können Sie in der Villa Romana finden.

Schon ca. 500 v. Chr. siedelten Treverer (ein keltisch/germanisches Mischvolk) in unserem Raum. Sie lebten und arbeiteten in den fruchtbaren Tälern - für Zeiten der Not und Gefahr jedoch bauten sie sog. Fliehburgen auf meist unzugänglichen Felspartien. So auch in Veldenz. Der Bergrücken, auf dem Sie heute Schloß Veldenz sehen können, wurde zuerst bewohnt von den Kelten, dann von den Römern, anschließend den Franken, den Grafen von Veldenz, hierauf den Truppen Ludwigs XIV, den Soldaten Napoleons, ab 1803 von der Familie Richter aus Mülheim und heute von einer Familie aus dem Trier.
Die ersten heute noch sichtbaren Spuren menschlicher Arbeit lieferten die Treverer durch den Bau einer sog. Keltenmauer, von Caesar Murus gallicus genannt, die als Abschnittswall diesen Bergrücken gegen Eindringlinge versperrte. Die Reste der hier sog. „Heidenmauer“ können noch heute besichtigt werden.
Mit den Treverern (Trierern)  besiegten Caesar’s Legionen ca. 50 v. Chr. ein Volk, dessen stark naturbezogene Religion den Römern fremd war. Sie kannten keine großartigen Tempel aus Stein, weder Altäre noch Bilder oder Statuen von Göttern. Ihre Götter waren anders als diejenigen des römischen Götterhimmels.
Eine für die dauerhafte Expansion des römischen Reiches mitentscheidende Fähigkeit der Römer war, dem Besiegten Würde und Religion zu lassen. Sie verstanden es sogar, dem unterlegenen Stamm oder  Volk  römische Lebensart schmackhaft zu machen, hatten aber auch keine Probleme, örtliche Sitten und Gebräuche zu übernehmen, oder Kelten (bevorzugt den keltischen Adel) in die öffentliche Hirarchie zu integrieren. Dieses Maß an Einbindung und Freiheit der Besiegten wiederum bewirkte, daß Kelten und Germanen in den „neuen“ Provinzen die Vorteile römischen Lebens und Arbeitens schnell erkannten und bald so  römisch lebten, wie die Römer selbst.
Nicht nur in den öffentlichen Heiligtümern  pflegten die Römer ihre Religion.  Jede größere Familie verehrte ihre eigenen Götter, denen sie je nach Vermögenslage im eigenen Haus Bilder oder Statuetten widmete. In unserem Museum können Sie eine solche Statuette, die in der Nähe von Gornhausen  beim Pflügen gefunden wurde, besichtigen.
Die Stadt  der Treverer, zu Ehren des römischen Kaisers Augusta Treverorum genannt, wurde ca. 15 v. Chr. gegründet. In kurzer Zeit hatte Trier  bereits ca. 15.000 bis 20.000 Einwohner.  Zur Versorgung von Stadt und Legionen wurde ein Netz von Gutshöfen gegründet- je nach Ausführung als Villa rustica oder Villa urbana.  Besitzer u. Betreiber war oft gallo-römischer Adel. So entstand auch hier in Veldenz ein Gutshof mit einer Seitenlänge von mind. 70 Meter, die heutige Villa Romana oder auch unser „Haus des Gastes“.
1989 erwarb die Gemeinde das Gebäude  als „Fastruine“. 1990 begann der denkmalgerechte Umbau. Der Scheunenteil des Hauses war nicht unterkellert. Der Einfacheit halber und wegen Platzmangels sollte die Toiletten- und Heizungsanlage außerhalb des Hauses in einem Anbau untergebracht werden, dort, wo sie jetzt auch ist. Ein interessierter Bürger machte den Vorschlag, die Anlagen doch im Haus unterzubringen, weil dann z.B. der Anbau nicht errichtet werden müsse, die Wärme im Haus bliebe, keine Probleme mit dem Flachdach entstünden usw. usw. Der Vorschlag fand allgemeine Zustimmung, ein kleiner Bagger wurde bestellt und  hiermit vom Garten aus ein Loch durch die Außenwand gebuddelt.  Nur Stunden nach Arbeitsbeginn wurden Tonziegel gefunden, die römischen Ursprunges sein mußten und an eine  Hypokaustheizung erinnerten. Die Ausgrabungen unter Anleitung des Rheinischen Landesmuseums in Trier begannen.
Das damals noch sog. Ringelshaus wurde der Ausgrabung wegen und der hierdurch erforderlichen Um- und Ausbaumaßnahmen zu mehr als der Hälfte fast ausgehöhlt. Dabei fanden sich unerwartet z.B. die Reste eines Backofens, ein Brunnen ( 9,5 m tief, 2,7 m Wasserstand - 2 Bauphasen), die mittelalterliche Treppe, die im Originalzustand erhalten ist und die Reste eines  römischen Bades.
Viele Funde der letzten Jahrzehnte und Lagennamen waren wohl immer schon Beleg für eine römische Besiedlung unseres Raumes. Die Reste des römischen Bades jedoch erlauben uns einen genaueren Einblick in römisches Leben zu  Valdentium und entwickelten sich zum attraktiven Museum im Museum.
In der Literatur taucht als römischer Name von Veldenz diese Bezeichnung auf. Die Bezeichnung „altes Tal“ paßt eigentlich gut zur geologischen Entwicklung des Urstromtales, ist aber m.W. nicht gesichert.

Aber nun zurück zu der Versorgung von Augusta Treverorum und den Legionen, wie vorhin angesprochen. Aus südeuropäischen Ländern brachten die Römer u.a. mit: Birne, Pflaume, Pfirsich, Kirsche, Quitte, Walnuß, Weintraube, Edelkastanie, Kohl, Petersilie, Zwiebel, Rettich, Fenchel, Lattich, Spargel, Senf und Gurke.  Seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. ist Weinbau an der Mosel  belegt. Zu Beginn des 3. Jahrh. n. Chr.  wurde Trier Kaiserstadt  und Verwaltungsmittelpunkt des römischen Westreiches (mit z.B.  Gallien, Britannien und Spanien).  Zu Beginn des 4. Jahrhunderts war die Bevölkerung Triers bereits gewachsen auf 50.000 bis 60.000 Einwohner (auf der gleichen Fläche heute kaum mehr) und Augusta Treverorum war  eine der bedeutendsten, größten und wohlhabendsten Städte des Imperiums. Der überwiegende treverische Bevölkerungsteil war längst integriert in das römische Leben und erfüllte auch staatstragende Aufgaben. Die Herrschaft der Römer  wandelte sich langsam von innen heraus zur Herrschaft der Treverer.
Ab 250 n. Chr. lösten der Druck asiatischer Völker gen Westen , eine zahlenmäßige Zunahme der Bevölkerung und Klimaänderungen eine erneute Völkerwanderung aus. Die germanischen Stämme drängten mit Macht nach Süden und Westen. Um 400 mußte die römische Kaiserresidenz Augusta Treverorum aufgegeben werden. Die Legionen wurden zur Verteidigung des Heimatlandes gebraucht. Das Trierer Land wurde im 5. Jahrh. Frankenland. Die Bevölkerung schrumpfte. Handel und Handwerk gingen zurück.  Die nunmehr entvölkerten, ehemals römischen Ländereien fielen an die fränkische Krone.
Childebert II. König der Franken schenkte im Jahre 590 n. Chr.  ein Krongut an der Mittelmosel - die nachmalige Grafschaft Veldenz - „des Weines wegen“ dem Domkapitel von Verdun namentlich dem  Bischof Agericus, seinem Oheim. Hierzu gehörten die Orte Veldenz, Mülheim, Dusemond (heute Brauneberg), Burgen,  Andel und Gornhausen.

1156 wurde Burg  oder Schloß Veldenz zum ersten Mal in einer Urkunde des Kaisers Barbarossa erwähnt. König Rudolf von Habsburg verlieh am 22. April 1286 dem Grafen Heinrich von Geroldseck/Veldenz für das Dorf Veldenz Stadt-und Marktrechte.
Der Wohnplatz Veldenzer Hammer hat seinen Namen von einem wassergetriebenen Pochwerk, welches das in den zahlreichen Bergwerken  gefundene Eisen- und Kupfererz zerkleinerte.
Welches Gewicht der Bergbau mit Kupfer- und Eisenverarbeitung in Veldenz hatte, können sie z.B. daran erkennen, daß die Eisenwerke Rass ihren Ursprung haben in einer Schmiede in Veldenz, daß die Begründer der saarländischen Eisenindustrie, die Familie Stumm „Hammerherren“ in Veldenz waren, aber auch an der umfangreichen  Sammlung Veldenzer Münzen im Heimatmuseum der Villa Romana. 
Münzen oder Geld – wie kam es hierzu?:  Als der Steinzeitmensch vom Jäger und Sammler zum Bauern geworden war, brauchte er nicht mehr nur Waffen und Jagdgerät, die „Landwirtschaft“ verlangte nach brauchbaren Werkzeugen zum Ackern und zum Verarbeiten der Ernte. Die Sippen wurden größer, denn erst der erfolgreiche Ackerbau erlaubte es, mehr Menschen ernähren. Es  zeigte sich, daß der eine erfolgreicher jagen konnte als der andere, oder besser Waffen herstellen, oder Werkzeug bauen, oder säen und ernten  usw.. Die Einsicht war folgerichtig und auch notwendig, daß eigentlich jeder das tun sollte, was er am besten konnte. Ein umfangreicher Tauschhandel entwickelte sich. Viele verschiedene Waren gleichwertig zu tauschen, ist jedoch kaum möglich. Weil aber genau dies dringend nötig  war, mußte es auch eine vernünftige Lösung geben. Als Lösung des Problems entwickelte der Mensch das „Geld“. Vieles hat als Geld gedient: Vieh konnte es sein, Häute, Gold, Bernstein, Feuerstein, Muscheln oder ähnliches. Bei einigen Völkern der Südsee und auch bei Kindern finden wir diese Art, Geschäfte abzuwickeln heute noch. Sehr bald wurden in dieser Entwicklung die Edelmetalle immer wichtiger. Schon die Assyrer und Ägypter kannten das gestückelte Silber. Aus der gleichbleibenden Stückelung wurden über  Stangen, Ringe, Barren u.ä. schließlich geprägte Münzen. Jetzt brauchte das Silber oder Gold  des Händlers nicht mehr geprüft und gewogen zu werden, jetzt konnte man fertig geprägte Stücke zählen und damit rechnen. Handel und  Handwerk, Künste und Wissenschaften entwickelten sich sprunghaft. Erst jetzt war es möglich, über den Bedarf des Alltags hinaus zu planen.
 
Zurück zur Geschichte der Grafschaft: Das Geschlecht der Grafen von Veldenz starb 2 mal in männlicher Linie aus und entwickelte sich durch Heirat zur Wittelsbacher Seitenlinie im Herzogtum Pfalz / Veldenz / Zweibrücken. Seit 1444 sind hierdurch in unserem Wappen der Veldenzer Löwe und die  bayerischen Rauten vereinigt.
 
Schon Mitte des 16. Jahrhunderts waren die Grafen von Veldenz und damit auch ihre Untertanen evangelisch (lutherisch). Der bekannteste Veldenzer Graf Georg Hans regierte bis 1593, meist in Lützelstein, was als lütter (kleiner) Stein verstanden werden kann und  ins französische übersetzt „La Petite Pierre“ heißt. Hier finden Sie die Wurzeln der Partnerschaft zwischen Veldenz und La Petite Pierre  im Elsaß.

Der Dreißigjährige Krieg 1618 bis 1648 hinterläßt die kleine Grafschaft Veldenz in verwüstetem und überschuldetem Zustand. Die Heere von Ludwig XIV überfallen 1673 das Land. Das Veldenzer Fürstenhaus erlischt und kommt durch Erbschaft 22 Jahre lang (bis 1798)  mit der Pfalz zu Bayern. Nun überfielen die Truppen  Napoleons unser Land. Grund- und Hausbesitz von Klöstern, Kirchen, Stiften und der des Adels wurden als Nationaldomänen verstaatlicht und später z. T. versteigert. So kam auch Schloß Veldenz 1802 oder 1803 in den Besitz einer Kaufmannsfamilie Niesen aus Mülheim, deren Nachkommen, die Familie Richter, noch heute ansässig in Mülheim, bis 1995 Eigentümer blieb. 1995 verkaufte die Familie ihr Schloß an Privatleute aus Trier. Beweise dafür, daß im heutigen Zentrum des Dorfes bereits Kelten gebaut haben, werden wir durch die immer wiederkehrende Bebauung kaum noch finden können.  Zur Zeit der Römer war die Villa rustica oder urbana sicher das Gebäude, um welches sich als erneuter Beginn eines Dorfes weitere Häuser gruppierten. Die Geschichte der Bebauung an diesem Platz während des Mittelalters liegt noch weitgehend im Dunkeln.
Manfred Schüler